Demo: Hamburg bleibt untauglich!

Demonstration, 26.09. | 15 Uhr | Landungsbrücken
DGB-Kundgebung, 26.09. | 12 Uhr | Rathaus

Wir sind untauglich. Wir sind unrekrutierbar. Wir verweigern den Gehorsam. Wir sind Wehrkraftzersetzer:innen und fangen damit bei uns selbst an. Unser Ziel ist es, dem Krieg zu entkommen.

Mit Hunderten Milliarden Euro für Panzer und Raketen Sicherheit schaffen? Indem man Männer zu mehr Gewaltbereitschaft erzieht? Indem man Kitas schließt, Renten kürzt und den Gürtel enger schnallt für den Aufbau von militärischen Einrichtungen und Militärmanövern? Dadurch, dass in unseren Nachbarschaften Rüstungsfabriken und Waffenumschlagplätze geschaffen werden? Das schafft keine Sicherheit, sondern ihr Gegenteil.

Wir sehen die Dinge und die Welt fundamental anders als diejenigen, die unsere Ängste anheizen und zum Argument für Kriegstüchtigmachung instrumentalisieren. Sie stellen Rüstung als Mittel für den Frieden dar. Wir sehen die Welt anders als diejenigen, deren einzige Antwort auf die Krisen unserer Gegenwart Abschottung und Aufrüstung lautet. Diese Politik der Feindschaft ist ein Teil einer Eskalationsspirale, an dessen Ende der Krieg immer wahrscheinlicher wird. Wir müssen sie unterbrechen.

Wir erklären uns für untauglich – für ein System, das unsere Körper als Ressource betrachtet, dass unser Leben in Verlustquoten übersetzt und unsere Zukunft in Verteidigungshaushalten verrechnen will. Deswegen desertieren wir. Das ist keine Schwäche, sondern unsere Überzeugung. Das ist unsere Form der Selbstverteidigung.

Wir verteidigen uns, unsere Familien und Freund:innen und unsere Viertel gegen den Krieg. Selbstverteidigung gegen die Ausbreitung der Logik des Krieges in alle Poren unserer Gemeinschaften und Gesellschaftlichkeit, gegen die innere Zeitenwende und gegen deren materielle Konsequenz. Wir sind also durchaus verteidigungsfähig! Allerdings sind wir es in einem elementar anderen Sinne als von uns gefordert.

Wir gehen auf die Straße, um die sozialen Infrastrukturen unserer Stadt gegen Kürzungen und Sozialkahlschlag zu verteidigen. Und wir sagen laut, von wo das Geld für die neuen Verteidigungshaushalte abgezweigt wird. Wir sind uns sicher, dass viele Kolleg:innen an diesem Punkt bei uns sind, auch wenn es bisher in keinem Aufruf des DGB steht.

Wir – die Untauglichen – nehmen uns zusammen die Straße, weil wir wissen, dass sie am Ende entscheidet. Das ist zugleich eine Einladung an alle, die selbst noch nicht untauglich sind, es aber werden wollen. Eine Einladung an alle, die sich fragen: Wie werde ich eigentlich unrekrutierbar? Wie kann ich Kriegstüchtigkeit aktiv verlernen? Das ist unsere Pädagogik der Freiheit, die wir mit unseren weichen Körpern und unseren radikalen Überzeugungen unwiderstehlich vertreten.

Kriegstüchtigkeit ist ihr Programm. Kriegsuntauglichkeit ist unsere Antwort. Entwaffnen wir das System, bevor es uns das Leben kostet. Gemeinsam verteidigen wir unsere Liebsten und unsere Viertel gegen die Logik des Krieges! Gegen das NATO-Manöver Red Storm Charlie!

Mit diesem Aufruf verweisen wir auch auf unser Communiqué zu internationaler Solidarität im gegenwärtigen Kriegsregime.


Route der Demo 15 Uhr: Landungsbrücken – Johannisbollweck – Vorsetzen – Otto-Sill-Brücke – Kajen – Hohe Brücke – Bei dem Neuen Krahn – Bei den Mühren – Kathrinenkirchhof – Zippelhaus – links in Brandswiete – Alter Fischmarkt – rechts in Domstraße – Speersort – Steinstraße – Altmannbrücke – Kurt-Schuhmacher-Allee – Beim Strohhause – Berliner Tor.